Hospiz Prachatice

Warum helfen wir dem Hospiz von Sankt Johann von Nepomuk in Prachatice, erklärt vielleicht am besten der folgende Brief von den Hinterbliebenen von einem Patienten, um den sich das Hospizpersonal bis Ende seiner Tage kümmern durfte.

Lebensgeschichte

Hospic Prachatice
Der Darmkrebs. Nach einigen Monaten der Progression und erfolgloser Therapie kommt die letzte Phase. Wir wissen das alle, aber wir überzeugen uns gegenseitig davon, dass es gut sein wird. Ich komme mit dem Vater ins Bezirkskrankenhaus. Er blutet in die Windeln, er atmet schwer und ist im Stress. Ich suche einen Arzt, die Schwestern sind nicht imstande uns Informationen geben. Nach einer Stunde kommt eine bitterböse Doktorin: Was denkt ihr?, Dass ihr hier allein sind? Weißt ihr, wie viel Patienten ich besorgen muss? Dann folgt eine Vernehmung, endlich ist mein Vater in einem Zimmer, wo sich sechs alte Männer im schlechten Zustand quetschen. Der Luft riecht unangenehm nach dem Harn und Exkrementen, einige Patienten stöhnen, röcheln, manche brauchen bestimmt umwickeln und abwaschen. Nur Körper, Namen, Diagnosennummer. Es ist mir schlecht schon nach ein paar Minuten, ich verabschiede mich, ich gehe noch zum Schwesterzimmer mit einer Konfektschachtel, zwei Schwestern beim Kaffeetrinken (hinter der Tür höre ich "... der neue Empfang, der Alte mit Krebs auf Nr. vier"), weitere Arbeit, unangenehm, schmutzig, übel riechend für wenig Geld. Trauer, Frust, Hilflosigkeit, Bitternis, Ärger, ... , ich, Personal, Patienten. Nächste drei Wochen verbringe ich täglich Besuche auf der Bettkante mit Schuldengefühlen (bin ich nicht imstande für meinen Vater würdiges Sterben einzurichten?). Ich erfahre über das Hospiz in Prachatice, ich spreche mit Schwester Anežka und ich weiss schon am Apparat, dass es um gute Wahl handelt. Wir kommen zum Hospiz, drei oder vier Schwestern gehen zu uns vor das Gebäude, sie helfen uns mit den Tragen, öffnen die Tür, stellen sich mit ihren Namen vor, reichen uns Hände. Sie sagen, dass sie froh sind, und ich sehe in ihren Augen, dass sie wirklich froh sind. Ein helles, räumiges Zimmer, großes Bad, WC, Fernseher, modernes Positionsbett und auch Aufbettung für die Besucher. Es gibt hier schönen Duft, Blumen in den Fenstern und Bilder an den Wänden. Die Schwestern interessieren sich und lächeln. Ich lehne eine Tasse Kaffee ab und ich beiße meine Lippe, ob es nicht nur um einen Traum handelt. Nach zwei Wochen ist mein Vater gestorben. Am Morgen, zwischen zweiten und dritten Löffeln von Nutridrink. Er ist so ruhig und unauffällig gestorben, genauso wie er seinen ganzen Leben war. Ich bin froh, dass ich weiß, wie er gestorben ist. Meine Mutter, die hat mit ihm die ganze Aufenthalt verbracht, hat ihm an der Hand gehalten. Genauso wie vorher zweiundfünfzig Jahre. Er war mein Vater, ich habe ihn geliebt. Und als er auf dem Sterbebett gelegen hat, habe ich keinen alten verkommen Körper gesehen, sondern einen Menschen vollen von Liebe und Freude, von Arbeit und Verantwortlichkeit, Hobbys und auch Sorgen. Ich bin sehr froh, dass die Krankenschwestern und alle anderen hervorragenden Leute im Hospiz ihm genauso gesehen haben. Ich bin dafür unsagbar dankbar.